Wie liest man mehr Bücher?
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Viele Menschen wünschen sich, mehr zu lesen: Der Stapel ungelesener Bücher wächst, neue Empfehlungen kommen ständig hinzu, und dennoch scheint der Alltag nie genug Raum für lange Lesestunden zu lassen. Doch die Wahrheit ist: Menschen, die 20, 40 oder sogar über 100 Bücher pro Jahr lesen, haben nicht mehr Zeit als die anderen – sie nutzen sie einfach anders.
Viel zu lesen hat nichts mit außergewöhnlicher Lesegeschwindigkeit zu tun. Es ist eine Frage von Gewohnheiten, Organisation und bewussten Entscheidungen. Mit ein paar einfachen Strategien – weniger Ablenkungen, bessere Buchauswahl, Nutzung von Mikromomenten – kann Lesen zu einem natürlichen Bestandteil des Alltags werden, ohne Stress oder Druck.
In diesem Artikel entdecken Sie konkrete, leicht umsetzbare Methoden, um Ihre jährliche Lesezahl deutlich zu steigern. Diese Tipps funktionieren für alle: für Anfänger, Gelegenheitsleser, vielbeschäftigte Berufstätige oder leidenschaftliche Leser, die ihre Routine optimieren möchten. Ziel ist es nicht nur, mehr zu lesen, sondern besser, regelmäßiger und mit echter Freude.
WARUM SIE NICHT SO VIEL LESEN, WIE SIE GERN MÖCHTEN
Bevor man mehr liest, muss man verstehen, warum man derzeit weniger liest, als man eigentlich möchte. Die meisten Menschen scheitern nicht an fehlender Motivation – sondern an Gewohnheiten, äußeren Ablenkungen und falschen Vorstellungen über das Lesen.
1. Ständige digitale Ablenkungen
Smartphones, soziale Medien, Benachrichtigungen und endlose Feeds rauben uns unbemerkt die Konzentration. Selbst wenn wir zehn freie Minuten hätten, greift die Hand automatisch zum Bildschirm statt zum Buch. Diese Mikro-Ablenkungen machen es schwer, in den Lesefluss zu kommen.
2. Ein voller Alltag und mentale Ermüdung
Beruf, Familie und Verpflichtungen lassen wenig Raum für Ruhe. Am Abend fühlen sich viele erschöpft – weniger körperlich, sondern geistig. Wer im „Multitasking-Modus“ feststeckt, findet nur schwer den Übergang zu einer ruhigen, fokussierten Lesephase.
3. Fehlende Lesegewohnheiten
Lesen wird leichter, wenn es eine Routine ist. Ohne festen Moment – morgens, am Nachmittag oder abends – bleibt es dem Zufall überlassen. Und was dem Zufall überlassen wird, passiert im stressigen Alltag meist nicht.
4. Unrealistische Erwartungen
Viele glauben, man müsse jeden Tag eine Stunde lesen, um voranzukommen. Das stimmt nicht: Viel lesen bedeutet vor allem regelmäßig lesen, auch in kleinen Einheiten. Falsche Ansprüche blockieren oft schon den ersten Schritt.
5. Die falsche Buchwahl
Ein Buch, das nicht begeistert, kann die gesamte Lesemotivation ausbremsen. Viele fühlen sich verpflichtet, es trotzdem zu Ende zu lesen – und verlieren dabei den Spaß am Lesen selbst.
EIN KLARES ZIEL SETZEN – DER SCHLÜSSEL, UM MEHR ZU LESEN
Mehr zu lesen beginnt selten mit Motivation, sondern fast immer mit einem klaren, greifbaren Ziel. Wenn das Lesen vage bleibt – „Ich möchte mehr Bücher lesen“ –, rutscht es im Alltag schnell nach hinten. Sobald Sie jedoch eine konkrete Richtung festlegen, verändert sich Ihre Beziehung zur Lektüre. Ein Ziel wie ein Buch pro Monat, einige Kapitel pro Woche oder einfach zehn Minuten Lesen pro Tag schafft eine Struktur, die überraschend wirkungsvoll ist.
Dieser Ansatz funktioniert, weil er die Hürde senkt. Zehn Minuten lassen sich fast immer in den Tag integrieren: beim Frühstück, in der Bahn, in einer kurzen Pause oder abends vor dem Schlafengehen. Die Regelmäßigkeit zählt mehr als die Dauer. Wer täglich ein kleines Minimum liest, baut automatisch eine stabile Routine auf – und die Menge an gelesenen Büchern steigt fast von allein.

Ebenso wichtig ist es, die eigenen Fortschritte sichtbar zu machen. Ein kleines Notizbuch, eine Lese-App oder eine einfache Liste reichen aus, um zu verfolgen, was Sie bereits geschafft haben. Dieser visuelle Rückhalt wirkt motivierend: Jede gelesene Seite bestätigt, dass Sie auf dem richtigen Weg sind.
Das Setzen eines Ziels hat außerdem eine besondere psychologische Wirkung. Lesen wird nicht länger als optionale Freizeitbeschäftigung betrachtet, sondern als fester Bestandteil des Tagesablaufs – ähnlich wie Sport, Arbeit oder eine Mahlzeit. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Ihre Lesezeit einhalten, erheblich.
Ein klar definiertes Ziel schafft Orientierung, Motivation und Beständigkeit. Es ist der erste und vielleicht wichtigste Schritt, um langfristig mehr Bücher zu lesen – und das Lesen zu einer natürlichen, erfüllenden Gewohnheit zu machen.
DIE MIKROMOMENTE NUTZEN – DIE KLEINEN ZEITFENSTER MIT GROSSER WIRKUNG
Wenn wir ans Lesen denken, stellen wir uns oft lange, ruhige Stunden mit einem Buch vor – doch genau diese Momente sind selten die Grundlage dafür, wirklich mehr zu lesen. Die wahre Kraft liegt in den Mikromomenten, diesen kleinen Zeitfenstern, die im Alltag immer wieder auftauchen und oft ungenutzt bleiben. Fünf Minuten in der Bahn, ein kurzer Moment beim Frühstück, ein paar ruhige Minuten in der Mittagspause oder die Wartezeit beim Arzt: All diese scheinbar belanglosen Augenblicke können sich zu einer erstaunlichen Menge an Lesezeit summieren.

Viele Viel-Leser verdanken ihren Umfang nicht ausgedehnten Lesestunden, sondern genau diesem Prinzip. Ein Kapitel hier, ein paar Seiten dort – und plötzlich ist ein Buch beendet, ohne dass man jemals bewusst eine „Lesestunde“ eingeplant hat. Mikromomente funktionieren so gut, weil sie keinerlei Vorbereitung erfordern. Man braucht keinen besonderen Ort, keinen festen Zeitraum und keine perfekte Ruhe. Ein Buch in der Tasche, eine Lese-App auf dem Handy oder ein leichter Lesering für das einhändige Lesen – mehr ist nicht nötig, um spontan in eine Geschichte einzutauchen.
Diese kurzen Leseeinheiten senken die Hürde enorm. Anstatt auf den idealen Moment zu warten – der im hektischen Alltag selten kommt –, nutzt man die kleinen Pausen und verwandelt sie in Literatur. Auf diese Weise entsteht fast automatisch eine regelmäßige Lesegewohnheit, bei der das Lesen selbstverständlich wird statt außergewöhnlich. Und je natürlicher das Lesen Teil des Alltags wird, desto schneller wächst die Zahl der Bücher, die man im Laufe eines Jahres verschlingt.
EIN TÄGLICHES LESERITUAL ENTWICKELN – DER WEG ZU KONTINUITÄT
Um wirklich viele Bücher zu lesen, reicht es nicht, gelegentlich ein paar Seiten zu öffnen – es braucht einen festen Moment im Alltag, an dem das Lesen selbstverständlich wird. Ein tägliches Leseritual schafft genau das. Ob am Morgen mit einer Tasse Kaffee, am Nachmittag in einer kurzen Pause oder am Abend im warmen Licht einer Lampe: Wenn Lesen an einen wiederkehrenden Moment gekoppelt ist, wird es nicht länger von der Motivation abhängig, sondern zu einem natürlichen Bestandteil des eigenen Lebensrhythmus.
Rituale funktionieren, weil sie den Übergang erleichtern. Der Körper und der Geist erkennen mit der Zeit die Signale: der vertraute Platz auf dem Sofa, das Aufschlagen des Buches, eine bestimmte Atmosphäre. Diese kleinen Auslöser helfen, schneller in den Lesemodus zu finden, selbst nach einem hektischen Tag. Wer ständig darauf wartet, „Zeit zu haben“, liest am Ende selten; wer jedoch bewusst einen kleinen täglichen Raum schafft, liest zuverlässig – auch wenn es nur wenige Minuten sind.
Wichtig ist vor allem, die Hürden zu minimieren. Ein Buch, das griffbereit liegt, ein Lesezeichen, eine angenehme Beleuchtung oder ein bequemes Lesekissen können aus einem einfachen Moment einen einladenden Rückzugsort machen. Der Aufwand sinkt, die Freude steigt. Und mit jedem Tag, an dem das Ritual wiederholt wird, verankert sich die Lesegewohnheit tiefer.
Ein tägliches Leseritual ist kein Zwang, sondern eine Form von Selbstpflege. Es schafft Ruhe, Konzentration und Kontinuität – drei Faktoren, die letztlich dazu führen, dass sich die Menge der gelesenen Bücher fast wie von selbst erhöht.
BÜCHER WÄHLEN, DIE SIE WIRKLICH LESEN WOLLEN
Einer der unterschätzten Gründe dafür, dass viele Menschen wenig lesen, liegt schlicht in der Wahl der Bücher. Wer sich durch Titel kämpft, die ihn nicht wirklich interessieren, verliert schnell Motivation und Freude – oft für Wochen. Deshalb ist es entscheidend, Bücher zu wählen, die Ihnen wirklich Lust auf Lesen machen. Es geht nicht darum, Werke auszuwählen, die man gelesen haben sollte, sondern solche, die einen spontan packen, neugierig machen oder emotional ansprechen.
Lesen Sie, was Ihnen gefällt, und erlauben Sie sich, Genres zu mischen: ein Roman nach einem Sachbuch, ein Fantasy-Abenteuer neben einem historischen Werk, eine Kurzgeschichte zwischen zwei langen Büchern. Diese Abwechslung verhindert Ermüdung und sorgt dafür, dass jede neue Lektüre wie eine frische Entdeckung wirkt. Genauso wichtig ist es, ein Buch ohne Schuldgefühle beiseitezulegen, wenn es Ihnen nach mehreren Kapiteln wirklich nicht zusagt. Das Festhalten an einer Geschichte, die nicht fesselt, ist einer der sichersten Wege, die eigene Lesedynamik zu bremsen.
Wenn Sie Bücher wählen, die Ihnen wirklich Freude bereiten, lesen Sie automatisch mehr – nicht aus Pflicht, sondern aus authentischem Enthusiasme. Le plaisir devient le moteur, et non la discipline. Mit der richtigen Buchauswahl verwandelt sich das Lesen von einer Anstrengung in eine Belohnung, und die Zahl der gelesenen Werke steigt wie von selbst.
ABLNKUNGEN REDUZIEREN – DIE VORAUSSETZUNG FÜR EINE TIEFE, REGELMÄSSIGE LESEPRAXIS
So sehr man sich vornimmt, mehr zu lesen, scheitert es im Alltag oft an einem einzigen Gegner: den Ablenkungen. Smartphones, soziale Medien, Nachrichten-Pop-ups, der Reflex, nur kurz etwas zu checken – all das zerstückelt unsere Aufmerksamkeit und verhindert, dass wir wirklich in ein Buch eintauchen. Wer viele Bücher lesen möchte, muss daher einen Raum schaffen, in dem Konzentration möglich ist.
Der einfachste Schritt besteht darin, das Smartphone bewusst außer Reichweite zu legen oder in den Flugmodus zu schalten. Allein diese kleine Entscheidung verändert das Leseerlebnis drastisch: Der Geist bleibt länger bei der Geschichte, die Gedanken schweifen weniger ab, und die Intensität des Lesens steigt. Auch die Umgebung spielt eine große Rolle. Ein ruhiger Platz, eine angenehme Lichtquelle und eine klare Entscheidung, sich jetzt dem Lesen zu widmen, helfen dem Gehirn, in einen fokussierten Zustand zu wechseln.
Viele Leser profitieren außerdem davon, bestimmte Zeitfenster als ablenkungsfreie Zonen zu definieren – sei es morgens vor den ersten E-Mails oder abends vor dem Schlafengehen. In diesen Momenten wird Lesen zur Priorität, nicht zur Option. Selbst kurze Einheiten von zehn bis fünfzehn Minuten werden dadurch erstaunlich produktiv.
Ablenkungen zu reduzieren bedeutet nicht, perfekt zu sein oder sich komplett von der digitalen Welt abzukapseln. Es bedeutet lediglich, bewusst Räume zu schaffen, in denen Lesen wieder eine echte Chance hat. Und genau diese bewusste Entscheidung ist einer der kraftvollsten Hebel, um langfristig mehr Bücher zu genießen.
SCHNELLER LESEN, OHNE DEN GENUSS ZU VERLIEREN
Viele Menschen glauben, dass man schneller lesen müsse, um mehr Bücher zu schaffen. Doch die Wahrheit ist subtiler : Lesen effizienter zu gestalten bedeutet nicht, durch die Seiten zu rasen, sondern flüssiger, bewusster und mit weniger Unterbrechungen zu lesen. Geschwindigkeit ist kein Selbstzweck – sie entsteht meist ganz natürlich, wenn das Lesen zur Gewohnheit wird und der Geist weniger abgelenkt ist.
Ein zentraler Punkt besteht darin, Rücksprünge zu vermeiden. Viele Leser blättern oder gleiten unbewusst zurück, weil die Konzentration kurz nachlässt. Wenn man hingegen in einem ruhigen Moment liest und die Gedanken nicht ständig abschweifen, wird der Lesefluss geschmeidiger, und die Geschwindigkeit steigt von selbst. Ebenso kann es helfen, den Text in natürlichen Sinnabschnitten zu erfassen, statt Wort für Wort zu lesen. Je mehr der Blick ganze Satzgruppen wahrnimmt, desto runder wird der Rhythmus.
Natürlich hängt die Lesegeschwindigkeit auch stark vom Buchtyp ab. Ein komplexes philosophisches Werk liest sich nicht wie ein Roman, ein Sachbuch nicht wie ein Thriller. Der Schlüssel liegt darin, das Tempo flexibel anzupassen, ohne Druck auszuüben. In manchen Büchern gleitet man mühelos voran, in anderen nimmt man sich bewusst mehr Zeit – und beides ist völlig normal.
DAS LESEN ZU EINER PRIORITÄT IN IHREM LEBENSSTIL MACHEN
Um wirklich viele Bücher zu lesen, genügt es nicht, gelegentlich ein interessantes Werk zur Hand zu nehmen. Lesen muss einen festen Platz im eigenen Lebensstil einnehmen – nicht als Pflicht, sondern als bewusste Priorität. In einer Welt voller Ablenkungen und endloser Aufgabenlisten bedeutet das, klare Entscheidungen zu treffen: weniger Zeit in sozialen Medien, weniger gedankenloses Scrollen, weniger nur kurz ein Video anschauen. Auf diese Weise entsteht Raum für etwas, das langfristig deutlich mehr Bereicherung bietet.
Diese Priorisierung beginnt mit kleinen, konsequenten Gewohnheiten. Wer täglich 15 oder 20 Minuten fürs Lesen reserviert, stellt schnell fest, wie selbstverständlich Literatur werden kann. Das Lesen wandert vom Bereich der Optionalen in den Bereich der Selbstverständlichen. Man nimmt automatisch ein Buch mit, wenn man das Haus verlässt, nutzt Wartezeiten bewusst und ersetzt manche abendliche Routinen durch eine ruhige Lesephase.

Entscheidend ist dabei auch die innere Haltung: sich selbst als eine Person zu betrachten, für die Lesen ein natürlicher Teil des Alltags ist. Dieser Identitätswandel wirkt stärker, als man vermutet. Wenn Lesen Teil des eigenen Selbstverständnisses wird, braucht es keine Rechtfertigung mehr. Man liest, weil es zur eigenen Lebensweise gehört.
Ein solcher Lebensstil ist weder starr noch zeitaufwendig. Er besteht aus vielen kleinen Entscheidungen, die sich addieren und den Alltag nach und nach verändern. Nach einigen Wochen merkt man oft, dass man mehr Bücher liest, ohne sich bewusst anzustrengen – weil das Lesen zu einer natürlichen Priorität geworden ist, zu einer Quelle der Ruhe, des Wissens und des inneren Gleichgewichts.
FAZIT – VIELE BÜCHER LESEN BEGINNT MIT KLEINEN SCHRITTEN
Mehr zu lesen ist kein unerreichbares Ziel, sondern das Ergebnis vieler kleiner, bewusster Entscheidungen. Es braucht keine außergewöhnliche Geschwindigkeit, keine langen freien Stunden und keine perfekte Routine. Was wirklich zählt, sind Regelmäßigkeit, Neugier und der Wille, dem Lesen einen echten Platz im eigenen Alltag zu geben. Wer versteht, welche Hindernisse ihn bremsen, wer sich klare Ziele setzt, Mikromomente nutzt und ein tägliches Ritual etabliert, wird schnell erleben, wie sich die Zahl der gelesenen Bücher ganz natürlich erhöht.
Der Schlüssel liegt in der Freude. Bücher, die begeistern, eine Umgebung, die einlädt, und eine innere Haltung, die das Lesen nicht als Aufgabe, sondern als Bereicherung sieht, verwandeln jede Lesezeit in einen Moment der Ruhe und der Inspiration. Schritt für Schritt entsteht eine stabile Gewohnheit, die Ihr Jahr, Ihren Alltag und vielleicht sogar Ihr Denken verändert.
Viele Bücher zu lesen ist weniger eine Frage der Zeit als eine Frage der Priorität – und jeder kann diese Priorität setzen. Beginnen Sie klein, bleiben Sie konstant, und lassen Sie sich von der Kraft der Literatur begleiten. Seite für Seite entsteht eine Gewohnheit, aus der ein lebenslanger Genuss wird.


